Archiv

Archiv für 5. März 2009

Aus dem Landtag 9 – Mobile Sprachförderung

5. März 2009
Kommentare sind deaktiviert

fritzklub
Bürgerforum Tirol
im Tiroler Landtag

32/2009

S C H R I F T L I C H E    A N F R A G E

des Abgeordneten Gottfried Kapferer

an Frau LRin  Beate Palfrader

betreffend
Rahmenbedingungen der Mobilen Sprachförderung in Tirol

Das Projekt “ Mobile Sprachförderung in Tirol “ ist grundsätzlich zu begrüßen. Die mobile Sprachförderung hat  das sogenannte “ Sprachticket “ in der sprachlichen Frühförderung abgelöst.
Ca. 15 Monate vor dem Schuleintritt werden Kindergartenkinder einem Sprachtest unterzogen. Diesen Test gibt es sowohl für Kinder mit nichtdeutscher Muttersprache, sogenannte Migrantenkinder (SISMIK – Test), als auch für einheimische Kinder mit “ bekanntem Sprachförderbedarf “ (BESK – Test).
Aufgrund der Ergebnisse dieser Tests können mobile Sprachförderungspädagoginnen von der Kindergartenleitung angefordert werden. In der Praxis gelangen aber wegen der zu geringen Kapazitäten häufig nur Migrantenkinder in den Genuss der mobilen Sprachförderung, weil man annimmt, dass diese Kinder eine Sprachförderung notwendiger haben als Kinder mit deutscher Muttersprache.
Die für die mobile Sprachförderung für würdig befundenen Kindergartenkinder werden nun in Gruppen mit  5 Kindern zusammengefasst und bekommen in dieser Gruppe eine halbe Unterrichtseinheit (25 Minuten) mobile Sprachförderung. Pro Kind gerechnet sind das wöchentlich 5 Minuten. De facto sind es aber noch weniger, da die Besprechungszeit der mobilen mit der stationären Kindergartenpädagogin ebenfalls in diese 25 Minuten eingerechnet werden muss.

2009 sind für das Projekt “Mobile Sprachförderung “ lediglich 400 000 € im Landesbudget vorgesehen.

Doch nicht nur die finanziellen Rahmenbedingungen sind unzureichend, besonders schlimm sind die dienstrechtlichen Rahmenbedingungen für die mobilen Sprachförderpädagoginnen in Tirol.
Diese sind ausgebildete Kindergartenpädagoginnen (BAKIP mit Matura), welche arbeitslos sind. Nach einer zusätzlichen Ausbildung werden sie als mobile Sprachförderpädagoginnen eingesetzt. Teilweise arbeiten sie schon während der Absolvierung dieser Zusatzausbildung.

Vom Land Tirol erhalten sie aber lediglich einen freien Dienstnehmervertrag. Das bedeutet: Sie haben keinen Urlaubsanspruch, bekommen kein Weihnachtsgeld und auch kein Urlaubsgeld. Im Sommer (30.Mai bis 1.September) sind sie wiederum arbeitslos und müssen auf eine weitere Anstellung hoffen, welche vom Bedarf abhängt.
Es ist kein Wunder, dass diese Pädagoginnen sofort nach Freiwerden einer Stelle einen Wechsel in den dienstrechtlich sicheren Bereich als stationäre Kindergartenpädagogin anstreben.

Die Benachteiligten sind in jedem Falle die Kindergartenkinder, weil es keine Nachhaltigkeit gibt und die Kinder so immer wieder einen Wechsel der Förderperson erfahren müssen. Es ist verständlich, dass die mobilen Sprachförderpädagoginnen ihre wichtige Berufsaufgabe großteils als “Durchgangsjob“ auffassen und die wichtige Identifikation mit der Aufgabe darunter leidet.

Sehr geehrte Frau LRin Palfrader, ich bitte Sie in diesem Zusammenhang um die schriftliche Beantwortung folgender Fragen:

  1. Wie beurteilen Sie die derzeitige Situation der Mobilen Sprachförderung in Tirol?
  2. Glauben Sie, dass die Mobile Sprachförderung in der derzeitigen Form ausreichend und zielführend ist?
  3. Glauben Sie, dass sich durch die Mobile Sprachförderung, wie sie derzeit durchgeführt wird, die Situation in der sprachlichen Frühförderung ausreichend verbessert?
  4. Welche Maßnahmen werden wann getroffen, um die Situation der Mobilen Sprachförderung in Tirol zu verbessern?
  5. Im Budget 2009 sind für die Mobile Sprachförderung 400 000 € vorgesehen. Halten Sie das für ausreichend ? Wird es in diesem Jahr noch zu Aufstockungen dieses Budgetpostens kommen ?
    • Wenn ja, um wieviel und wann ?
    • Wenn nein, warum nicht ?
  6. Wie beurteilen Sie die derzeitige dienstrechtliche Situation der mobilen Sprachförderpädagoginnen ?
  7. Welche Maßnahmen werden Sie setzen, um die dienstrechtliche Situation der Sprachförderpädagoginnen zu verbessern?
  8. Werden Sie die mobilen Sprachförderpädagoginnen in den Landesdienst übernehmen?

Innsbruck, am 19.März 2009

Die Antwort von LR Dr. Palfrader lesen Sie hier: anfragebe_151-09

Gottfried Tiroler Landtag